top of page

Wüste trifft Regenwald - vier Wochen im Land der Inkas

  • Autorenbild: Rebecca
    Rebecca
  • 22. Juli
  • 8 Min. Lesezeit

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen, sein, dass ich seit fast sechs Wochen keine neuen Beiträge verfasst habe. Dies liegt vor allem daran, dass unsere Zeit in Peru uns ziemlich geschafft hat und ich abends einfach immer zu erledigt war, um am Rechner zu sitzen. Wieso das so war und was wir so erlebt haben, erzähle ich in diesem Beitrag aus meinem gemütlichen Hotelzimmer an der Garden Route in Südafrika.


Lima


Die Anreise von Sydney über Santiago de Chile nach Lima verlief eigentlich unproblematisch, war mit 18 Stunden aber sehr lang, sodass wir außer einem ersten Eindruck aus dem Uber heraus am ersten Abend nicht mehr viel von der Stadt gesehen haben, außer dem schon auf den ersten Blick chaotischen Verkehr.


Die nächsten beiden Tage verbrachten wir im historischen Zentrum und im Stadtteil Miraflores. Das historische Zentrum hat das eine oder andere nette alte Gebäude und einen hübschen Hauptplatz (Plaza de Armas) zu bieten, ist ansonsten aber eher unspektakulär. Miraflores, ca. 30 Minuten außerhalb der Innenstadt, gilt als einer der Vorzeigestadtteile, in dem man sich auch nachts recht problemlos alleine und zu Fuß fortbewegen kann. Hier gibt es einen ca 2-stündigen Spazierweg entlang der Klippen und durch den Ort, den wir gelaufen sind. Die Klippen sahen ganz cool aus, der Kennedypark ist nett, aber so richtig schön in dem Sinne ist es auch dort nicht.


  • ein Geschenk aus dem Vereinigten Königreich
  • Halbwilde Katzen im Kennedypark
  • im Kennedypark in Miraflores
  • An den Klippen von Miraflores

Warum hat uns Lima nun so geschafft? Die Stadt gilt als einer der Orte mit der schlechtesten Luft weltweit und das haben wir sofort zu spüren bekommen. Der Himmel war wegen Smog durchweg grau. Mein Asthma wurde schnell schlimmer und die Nasennebenhöhlen waren auch nicht begeistert von dem, was man da so einatmete.

Abendessen zu finden war ebenfalls schwierig, da die meisten Restaurants gegen 17 Uhr schließen, was uns aber zunächst nicht klar war. Und der ÖPNV – ohne Worte! Dagegen sind die Videos, die man aus vollen Zügen in asiatischen Großstädten kennt gar nichts…

Insgesamt waren wir ganz froh, als wir die Stadt nach zwei Tagen Richtung Süden verlassen haben.


Paracas & Ica


Mit dem peruanisch-irischen Anbieter PeruHop (eine Art Überland Hop on – Hop off Bus) fuhren wir um 6 Uhr morgens in den Küstenort Paracas, wo wir zum ersten Mal zu spüren bekamen, dass man sich in den touristischen Bereichen keine 5 Meter bewegen kann, ohne von irgendjemanden angesprochen zu werden, der einen in eine Restaurant locken, zu einem Ausflug überreden oder einem etwas verkaufen will (teilweise einzelne Bonbons oder Kaugummis). Uns ist bewusst, dass viele Menschen in Peru kein festes Einkommen haben und auf solche Verkäufe angewiesen sind, aber das Ausmaß, mit dem wir angesprochen wurden, hat uns enorm genervt.


Ansonsten hat der der kleine Ort, in dem wir zwei volle Tage verbracht haben, eine nette Uferpromenade und das Paracas Nature Reserve, das wir auf einem Scooter auf eigene Faust erkundet haben, war landschaftlich schon beeindruckend. Wir haben uns dort auch nochmal einen Tauchausflug gegönnt, was cool, aber wegen Strömung, schlechter Sicht und abenteuerlicher An- und Abfahrt auch anstrengend war. Ein Bootsausflug zu den Islas Ballestas war dagegen ziemlich entspannt und hat sich sehr gelohnt, da wir viele Seelöwen, Seevögel und sogar eine Pinguinfamilie sehen konnten.


  • Islas Ballestas
  • Küstenlinie im Paracas National Reserve
  • Pelikane im Paracas National Reserve
  • Pinguinfamilie
  • Boobie (Ja, so heißt der)
  • alte Felshieroglyphe
  • Tauchen in der Wüste
  • Die Sicht war eher bescheiden...
  • An der Strandpromenade von Paracas

Ein paar Busstunden hinter Paracas liegt Ica, ein Ort, der vor allem für zwei Dinge bekannt ist: Pisco, das Nationalgetränk Perus, und seinen „Vorort“ Huacachina, der faktisch eine Oase mitten in der Wüste ist. Bei einem Piscotasting konnten wir fünf Schnäpse probieren, was um 12 Uhr Mittags allerdings auch nicht ohne war :D Die zwei folgenden Tage in der 25° warmen Oase waren sehr schön, eine Sandbuggytour hat das Adrenalin nach oben getrieben (schlimmer als jede Achterbahn :D ), in einer Fusion-Pizzeria gab es sehr leckeres Essen und am Hotelpool konnten wir uns (das letzte Mal in Peru) ordentlich entspannen.


  • Eine Bilderbuchoase
  • mitten in der Wüste...
  • Unser Sandbuggy
  • Da war leider ein Reifen geplatzt...

Arequipa & Colca Canyon


Von Huacachina aus ging es nun hoch in die Anden. Mit einem kurzen Zwischenstopp an den berühmten Nazca Linien, um die 2000 Jahre alte in den Boden gescharrte Muster der Nazca-Kultur, hatten wir nun eine 15-stündige Busfahrt über Nacht vor uns. Als wir um 6 Uhr morgens im 10°C-kalten Arequipa ankamen, waren wir entsprechend fertig.


  • Die Kröte
  • Der Baum

Die „weiße Stadt“ Arequipa selbst hat uns gut gefallen. Hübsche, alte, überwiegend weiße Gebäude (weil aus weißem Vulkangestein gebaut), eingerahmt von drei Vulkanen erzeugen schon ein nettes Stadtbild. Hier kamen nun andere Aspekte dazu, wie uns das Leben etwas schwer gemacht haben.

Jeder warnt einen vor der Höhe und auf 2500 m über dem Meeresspiegel ist die Luft auch schon merklich dünner, soll aber zur Akklimatisierung (bevor es in Cusco noch höher hinauf geht) gut geeignet sein. Mit der Höhe selbst kamen wir zunächst auch ganz gut klar, allerdings merkten wir sehr schnell, dass die Luft zusätzlich auch extrem trocken war und sämtliche Schleimhäute stresste. So viel Meerwassernasenspray, Labello und Handcreme konnten wir gar nicht nutzen wie die Haut einriss.


  • Arequipa
  • Arequipa

Dass die dünne Luft selbst ein Problem war, merkten wir dann zum ersten Mal bei unserer Wanderung im Colca Canyon: Auf einer geführten Tour, die morgens um 3:30 Uhr (!) startete, fuhren wir auf 3500 m hinauf, um dort Kondore zu beobachten (sehr cool!) und in den Canyon hinabzusteigen. Der Canyon ist eigentlich unglaublich beeindruckend, aber leider war es nicht möglich, die Wanderung im eigenen Tempo zu absolvieren. Der Guide und die Gruppe haben so gehetzt, dass es keine Möglichkeit gab, die Aussicht zu genießen oder vernünftige Pausen zu machen. Nach 3 Stunden Wanderung, in denen es 1000 Höhenmetern steil bergab ging, und anschließend weiteren 2 Stunden einige Kilometer bergauf- und bergab waren wir einfach nur komplett erledigt. Und dann fand die Übernachtung in einer so heruntergekommen Hütte statt, wie man es sich nur vorstellen kann. Tiere im Bett und Löcher im Dach, durch das die Tiere, die noch draußen waren, auch noch hereinkommen konnten. An erholsamen Schlaf war da nicht zu denken.


  • schon groß so ein Kondor
  • Colca Canyon
  • Colca Canyon
  • Ein Hoch auf die Maultiere!

Den Aufstieg am nächsten Tag haben wir uns dann tatsächlich gespart und uns von Maultieren hochtragen lassen. Die armen Tiere haben uns und ein paar andere innerhalb von 100 Minuten wieder die 1000 Höhenmeter nach oben getragen, während der Großteil der Gruppe sich 3 Stunden hinaufschleppte. Beste Entscheidung ever! Außerdem mussten wir so „erst“ um 5:20 Uhr los und nicht wie die Wanderer schon um 3:55 Uhr.


Man kann sich vorstellen, dass wir nach diesen beiden Tagen erst einmal ordentlich Erholung brauchten, daher haben wir in den letzten beiden Tagen in Arequipa nicht mehr ganz so viel gemacht, sondern viel geschlafen und rumgehangen. Nur ein 2-stündiger Kochkurs, Fußballgucken im Pub und ein Besuch im berühmten, rot-blauen Santa Catalina Kloster waren noch drin.


  • Lecker war's
  • knatschbuntes Kloster

Cusco


Nach insgesamt 6 Tagen in und um Arequipa stand nun wieder eine Busfahrt an: Weiter hinauf nach Cusco auf ca. 3500 m. Auch diese Fahrt hat an sich gut geklappt, schlauchte mit 15 Stunden Fahrtzeit aber auch enorm. Die frühe Abfahrtzeit um 5 Uhr morgens, wo wir in der Kälte auf den Bus warten mussten, half nicht dabei, es entspannter zu gestalten.


Wie so üblich war unsere erste Beschäftigung in Cusco eine Free Walking Tour. Dabei konnten wir schon einige Highlights der Stadt und Überbleibsel der alten Inkakultur entdecken. Am zweiten Tag merkten wir dann langsam die Höhe – insbesondere in einem allgemeinen Schlappheitsgefühl. Jeder Schritt, der auch nur minimal bergauf ging, fiel schwer und die Nächte waren nicht erholsam. Die nach wie vor extrem trockene Luft, tat dabei ihr übriges. Also nutzen wir die Tage für entspannte Spaziergänge, zum Beispiel im wirklich netten Künstler- und Alternativviertel San Blas, und einige Erledigungen (Man muss ja auch mal Briefmarken kaufen …), haben aber alle typischen Ausflüge, wie zum Rainbow Mountain, ausgelassen. Nicht nur, dass diese auf 5000 m hinaufgehen, sie starten auch alle mitten in der Nacht – nein danke!


  • Plaza de Armas
  • Altes Aquädukt
  • Alte Inkafundamente
  • Kolonialhäuser wurden häufig auf Fundamenten aus der Inkazeit gebaut
  • Ausblick über die Stadt
  • San Blas

Die einzige größere Unternehmung, die noch anstand, war der Ausflug nach Aguas Calientes und Machu Picchu. Dies hatten wir Monate im Voraus gebucht, wollten es uns natürlich auch nicht entgehen lassen und es hat sich definitiv gelohnt. Die Stadt Aguas Calientes hat uns besser gefallen als diverse Beschreibungen im Netz es vermuten ließen und die alte Inkastadt war definitiv großartig! Fantastisches Panorama, eine kleine Wanderung auf den Huchuy Picchu, alte Geschichte, Lamas auf den Terrassen, … Sehr cool!

Aber auch hier waren wir im Anschluss absolut erledigt! Die Hin- und Rückfahrt zwischen Cusco und Aguas Calientes sind mit jeweils 2 Stunden Bus- und 1 ½ Stunden Zugfahrt verbunden und die Pünktlichkeit steht der der Deutschen Bahn in nichts nach… Hinzu kommt eine ca. 25-minütige Fahrt aus Aguas Calientes zur Inkafeste rauf. Nun hatten wir zum Glück eine Übernachtung in der Stadt gebucht, sodass wir diese Mordstour nicht an einem Tag machen mussten. Leider habe ich mir dort allerdings noch den Magen verdorben, was die Rückfahrt nicht angenehmer machte und zur Folge hatte, dass ich am Tag nach unserer Rückkehr das Hotelzimmer gar nicht verlassen habe.


  • klassischer Machu Picchu Blick
  • Montana Huayna Picchu
  • Belohnung nach der Wanderung
  • Gibt's was zu Fressen?
  • Auch die Lamas genießen die Aussicht

Insgesamt (inkl. der zwei Tage Machu Picchu) waren wir 8 Tage in Cusco und am Ende waren wir irgendwie froh, die Stadt und die Anden hinter uns zu lassen. Die Höhe, das Klima, die Stimmung in der Stadt (ständig angesprochen werden, nie in Ruhe einfach mal bummeln können) sowie ein dauerhafter unangenehmer Geruch in unserem Viertel (eine Mischung aus rohem Fleisch und Abwasser) und unserem Hotelzimmer (Peru kennt wohl keine Siphons), haben den Aufenthalt nicht zum Vergnügen gemacht. Dabei hat die Stadt durchaus schöne Architektur, ein tolles Bergpanorama und viele Ausflugsmöglichkeiten zu bieten, nur konnten wir das alles leider nicht immer genießen.


Im Regenwald in Puerto Maldonado


Daher freuten wir uns sehr auf unseren Aufenthalt im Regenwald in Puerto Maldonado, ca. 40 Minuten Flug von Cusco entfernt.

Unsere Regenwaldlodge, die gleichzeitig eine arbeitende Forschungsstation ca. 15 km außerhalb der Stadt ist, war wirklich toll. Die Hütten waren authentisch und einfach, aber sauber und gemütlich. Das Essen war lecker und die Ausflüge gut organisiert. So konnten wir an drei Tagen auf diversen Spaziergängen und Bootstouren und einem Baumwipfelpfad einen tollen Eindruck der Region und Tierwelt bekommen. Leider haben sich die großen Säugetiere (Otter und Capybaras) nicht blicken lassen, aber die Vogel- und Reptilienwelt war cool und selbst die großen Taranteln waren irgendwie beeindruckend (auch wenn ich gebührenden Abstand gehalten habe :D )


  • Unsere Hütte im Regenwald
  • Canopy Walk
  • nächtlicher Besucher im Badezimmer (meine Seife!)
  • Tukan
  • weißer Kaiman
  • Lake Sandoval

Langwieriger Abschied von Peru


Aufgrund der Flugzeiten (Abflug früh morgens) hatten wir uns entschieden noch eine Nacht in der Stadt Puerto Maldonado zu bleiben, damit die Anreise zum Flughafen nicht so weit ist. Rückblickend war das wohl ein Fehler, denn es wurde abenteuerlich.

Die Stadt war okay, wir konnten noch in Ruhe das Spiel England – Norwegen in einer Kneipe gucken, und auch der Taxitransfer zum Flughafen am nächsten Morgen klappte soweit. Check-in, Sicherheitskontrolle - alles in Ordnung, doch dann erzählte ein Angestellter irgendwas auf Spanisch und so gut ich bisher mit meinen rudimentären Kenntnissen klar gekommen war, spätestens jetzt versagten sie.

Auf Rückfrage stellte sich mit Überwindung der Sprachbarriere heraus, dass das Flugzeug, das uns nach Lima bringen sollte, nicht angekommen ist, zurück nach Lima geflogen sei und wir nun 4 Stunden Verspätung hätten. Damit war unser Anschluss von Lima nach Sao Paulo gelaufen. Und damit auch der nur alle 48 Stunden gehende Flieger von Sao Paulo nach Kapstadt. Die Angestellten zeigten recht wenig Interesse an unserem Problem und selbst auf Nachfrage wurden wir mehrfach vertröstet und mussten dem Angestellten mehr erklären als er uns erklären konnte.

Die Kurzfassung der Lösung: Wir wurden umgebucht auf eine Verbindung, die nun statt ursprünglich 19 Stunden 44 Stunden dauerte. Wir bekamen zwar (auf mehrfache Nachfrage und nach diversen weiteren Vertröstungen) Verpflegung und ein Hotelzimmer in Sao Paulo zur Verfügung gestellt, aber die ganze Geschichte hat uns vollkommen erledigt.


  • Das Hotelzimmer in Sao Paulo, das wir eigentlich nie sehen wollten
  • Aber wir durften Golf Kart fahren - Yay

Umso glücklicher waren wir, also wir nach 48 Stunden (von Tür zu Tür) endlich im Hotel in Kapstadt ankamen und plötzlich so einfache Dinge wie ein Badezimmer, das keinen Abfluss mitten im Raum hat, zu schätzen wussten.


Unser Fazit zu Peru:


Es ist beeindruckend wie abwechslungsreich Peru ist – von Großstädten mit alter Kolonial- und Inkaarchitektur, über Wüste, Mischwälder, Hochgebirge und Küstenstreifen mit seltenen Meeresbewohnern bis zum Regenwald hat das Land nahezu alle Klimazonen und Habitate zu bieten, die man sich so vorstellen kann. Wir haben Tiere gesehen, die man sonst nur aus Filmen kennt und konnten Landschaften erleben, die es in Europa weit und breit nicht gibt.


Sicherheit ist in Südamerika ja auch gern ein großes Thema, hier müssen wir aber sagen, dass wir uns zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt haben. Wir konnten alles zu Fuß machen, was wir wollten, auch abends und im Dunkeln. Das Gefährlichste war aus unserer Sicht der Verkehr. Hier sind wir nicht nur einmal fast über den Haufen gefahren worden.


Dennoch war für uns schnell klar, dass wir beide kein Interesse daran haben, so bald wiederzukommen. Das Klima hat uns zugesetzt, das ständige Gehetze der Tourguides, die Aufdringlichkeit der Händler, und die unfassbar frühen Abfahrtszeiten der Touren haben uns müde gemacht und auch mit den Hygienestandards sind wir bis zum Schluss nicht warm geworden. Positiv daran: Wir haben unseren Lebensstandard in Mitteleuropa noch einmal ganz neu schätzen gelernt - ist ja auch was Schönes.


Dieses Plakat zu den Fluggastrechten hängt in Peru an jedem Flughafen. Mal schauen, was noch so daraus wird...
Dieses Plakat zu den Fluggastrechten hängt in Peru an jedem Flughafen. Mal schauen, was noch so daraus wird...

Kommentare


bottom of page