Little India, Kampong Glam und Chinatown – Multikulti Singapur
- Rebecca

- 17. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

Nach unserem ersten Eindruck von Singapur haben wir die nächsten Tage unter anderem dazu genutzt, nach und nach die verschiedenen ethnischen Viertel der Stadt zu erkunden. Zwei Walking Tours durch Little India und das Kampong Glam, waren sehr interessant; Chinatown ist ebenfalls spannend, aber ziemlich touristisch.
Kurz zur Entstehung der Viertel: Als die Briten unter der Leitung von Stamford Raffles ihre Kolonie im heutigen Singapur errichteten, erwarteten sie (zu Recht) eine Vielzahl an Einwanderern, vor allem Hilfsarbeiter und Händler. Damit diese auch wussten, wo sie sich in der neuen Heimat niederlassen konnten (man kann ja schließlich nicht einfach so Kulturen mischen…) wurde ein Stadtplan mit ausgewiesenen Vierteln entworfen: Chinatown, Kampong Glam und European Town.
Chinatown
Da es zu Beginn der Einwanderungswellen noch kein klar ausgewiesenes indisches Viertel gab, ließen sich neben vielen chinesischen Einwanderern auch viele Inder in Chinatown nieder, sodass das Viertel trotz des Namens und der heutigen klaren Überzahl der chinesischen Bevölkerung kulturell sehr vielfältig ist. Das berühmteste Beispiel ist die South Bridge Road, in der man nicht nur den wunderschönen Buddha Tooth Relic Temple findet, sondern 150 Meter weiter den ältesten Hindu Temple des Stadtstaates und noch einmal 50 Meter weiter eine tamilische Moschee. Da diese hier in Sichtweite voneinander so friedlich koexistieren wird die Straße auch gern Harmony Street genannt. (Im ersten Bild unten sieht man rechts die grüne Moschee, links vom weißen Gebäude den Eingangsturm des Hindutempels und ganz links den buddhistischen Tempel)
Ansonsten ist Chinatown vor allem für seinen Street Market bekannt, der so kurz vor Chinese New Year vor rot geschmückten Läden geradezu überquoll. Es gibt viele Touriläden, chinesisches Streetfood und Durianstände. An den Geruch muss man sich wirklich erst einmal gewöhnen... Insgesamt war es uns dort vor allem am Abend deutlich zu voll und trubelig. Es war auch das einzige Mal, dass man auf seine Wertsachen aufpassen musste und vor Taschendieben gewarnt wurde. (Normalerweise ist Singapur so sicher, dass die Leute sogar ihre Handys liegen lassen, um sich einen Platz im Hawker Centre zu reservieren)
Little India
Im Gegensatz zu Chinatown und dem Kampong Glam wurde das heutige Viertel Little India erst in den 1980er Jahren als solches definiert. Früher betrieben hier europäische Viehhändler ihren Handel und nach und nach zogen indische Viehzüchter hinzu. Erst durch die diverse Verschiebungen, den Einfluss des Zweiten Weltkrieges und diese und jene Entwicklungen wurde das Viertel zu Little India wie es heute ist.
Wie in Chinatown gibt es aber auch hier einen interessanten Mix an Kulturen, so steht zum Beispiel mitten im Viertel die „Malay Church“, eine Kirche die im späten 19. Jahrhundert extra für die Nachkommen der britischen Männer, die sich eine malayische Frau nahmen und deren Kinder überwiegend malaiisch sprachen, aber im christlichen Glauben erzogen werden sollten, errichtet wurde.
Die bunte Blumendekoration, die man überall kaufen kann, hängen Ladenbesitzer über ihre Türen, um das Glück anzuziehen. Bestimmte Kräuter werden aufgehängt, um Übel fernzuhalten. Ebenfalls interessant: Bereits an unserem ersten Abend in Singapur ist uns aufgefallen, dass die Hauptstraße des von Little India von Juwelieren gepflastert ist: jeder hat einen eigenen Tagespreis für Gold, Unmengen an Goldschmuck und die Läden sind alle immer voll!
Kampong Glam
Das letzte ausgewiesene Viertel, das heute noch existiert, ist das muslimische Viertel. Indische / tamilische und malaiische Muslime siedelten sich hier an, genauso wie Araber, weswegen eine der Hauptstraßen im Viertel bis heute die Arab Street ist.
Auf dieser Tour kamen wir auch in den Genuss verschiedener (für Europäer teils skurriler) Getränketraditionen: Teh Tarik, schwarzer Tee mit „gezogener“ Milch, der aus über einem Meter immer wieder umgeschüttet wird, sodass er kremig wird. Außerdem gibt es Kaffee in Plastiktüten, der mit einem Strohhalm getrunken wird.
Das optische Highlight ist aber die sehr hübsch in eine Straße aus bunten Kolonialhäusern und Palmen eingebettete Sultanmoschee.
Und das europäische Viertel?
Die Region, in der sich damals die Kolonialherren ihre Villen bauten, ist heute ins moderne Stadtbild Singapurs integriert und existiert als ausgewiesenes Viertel nicht mehr. Es gibt aber immer noch einige alte Bauten, die sich hübsch ins Stadtbild aus Wolkenkratzern einfügen, wie zum Beispiel das Raffles Hotel, das Fullerton Building und das Victoria Theatre.
Und ist das nun alles wirklich so friedlich?
Unsere Guide erzählte uns, dass der Staat eine Menge daran setzt, dass die friedliche Koexistenz der Kulturen funktioniert, indem zum Beispiel die verschiedenen Feiertage diverser Religionen überall in der Stadt präsent sind. So hängt eben auch am Hindutempel, an der Kirche, in den Banken und am Parlamentsgebäude der Schriftzug "Happy Chinese New Year". In ein paar Wochen werden dort gute Wünsche zum Ramadan hängen, dann zu Ostern, dann zu einem indischen Fest usw. So wird sicher gestellt, dass das Feiern verschiedener Feste im Alltag immer präsent ist.





























































Hallo Rebecca, veröffentlichst du bitte wieder Tierfotos?
Danke, liebe Rebecca, für den tollen Blog. Tapfer, dass du, trotz der vielen Eindrücke, noch Zeit und Lust hast zu bloggen. Singapur hört sich toll an. Grüße aus dem teilweise verschneiten Deutschland.