Von Kakas, Kiwis und Keas – Neuseeland Teil 2
- Rebecca

- 9. Apr.
- 8 Min. Lesezeit

-- Hinweis: Die mit * markierten Aspekte sind für alle, die es noch detaillierter interessiert, unter dem Artikel weiter ausgeführt. --
Da wir uns nach unserem Aufenthalt in Canterbury und Otago recht kurzfristig entschieden hatten, nach Stewart Island zu fliegen, gab es dort nur noch an genau einem Tag freie Hotelzimmer und so wurde unsere Reiseroute nun etwas chaotisch und sah vor, erst in den Westen nach Fiordland zu fahren und dann wieder in den Süden. Und aufgrund der Wettervorhersage wollten wir nicht zu früh im Fiordland ankommen, da das Wetter in den nächsten Tagen nicht allzu gut werden sollte. Also fuhren wir erst nach Süden, dann nach Nordwesten, um hinterher wieder nach Süden zu fahren, von dort nach Stewart Island zu fliegen und nach der Rückkehr wieder nach Norden Richtung Queenstown zu fahren.
Routentechnisch nicht ideal, aber das ist ja das schöne am Leben im Camper – man lässt sich einfach treiben :D
Und so folgten wir von Brighton der Southern Scenic Route bis hinter Invercargill fast ganz im Süden der Südinsel, vorbei am fantastischen Nugget Point mit Leuchtturm, den Purakaunui Falls mit einem wunderschönen Spaziergang durch Regenwald, und Lake Wilkie, einem Paradebeispiel für natürliche Verlandung und mit hübschen Spiegelungen. Hinter Invercargill gibt es einen Freedom Platz direkt am Meer, wo wir wegen Regens allerdings zum ersten Mal seit längerem den Abend fast komplett im Camper verbringen mussten.
Eine nette Sache, die wir in den Tagen zuvor schon bemerkt haben, fiel uns hier aber auch wieder auf: Viele Gemeinden und Städte malen ihre Bushaltestellen sehr hübsch an. Alle paar hundert Meter steht irgendwo eine toll bemalte kleine Hütte rum :-)
Purakanaui Falls im Southland bemalte Bushaltestelle Ohne Regen kein Regenbogen ;-) Nugget Point im Southland
Am nächsten Tag fuhren wir weiter die Southern Scenic Route entlang in Richtung Fiordland, einem der Highlights Neuseelands, bis zum Lake Manapouri, an dem die Ausläufer der Berge für ein tolles Panorama sorgen. Auf einem Spaziergang entlang des Ufers und durch einen kleinen Wald konnten wir ganz viele süße Fantails beobachten, die mit ihrem Gezwitscher und ihrem schönen „fantail“ eine ordentliche Show veranstaltet haben.
Fantail Lake Manapouri im Fiordland
Der nächste Stopp war die Stadt Te Anau, am gleichnamigen See, die das Einfallstor in den Fiordland Nationalpark darstellt. Dort haben wir eine Vogelschutzstation besichtigt, in der einige seltene NZ-Vögel gehalten und teils auch zum Erhalt der Art gezüchtet werden. Die Stadt selbst hat nicht so ganz viel zu bieten, lebt aber von ihrer Lage am See, wo wir auch ganz gemütlich mit Kaffee und Snacks das Panorama aufgesogen haben. Allerdings merkte man schon, dass das Wetter so weit im Süden langsam herbstlich wird, und gemütliches Draußensitzen nicht mehr so ohne weiteres möglich ist.
Den Abschluss des Tages bildete die Fahrt die berühmte Milford Road entlang, eine 100 km lange Stichstraße von Te Anau zum Milford Sound, an der es diverse Campingplätze und Aussichtspunkte gibt. Wir hatten uns den DOC-Campingplatz (vom Department of Conservation verwaltete einfache, relativ günstige, in der Natur gelegene Plätze, meistens mit Plumpsklos ohne weitere Annehmlichkeiten) am Cascade Creek ausgesucht, da dieser am nächsten am Milford Sound liegt, was für den nächsten Tag wichtig war. Und so konnten wir eingerahmt von Bergen und Fluss den Abend ausklingen lassen.
Lake Te Anau Cascade Creek Camping Platz
Für fast alle Neuseelandreisenden gehört ein Besuch am grandiosen Milford Sound auf jeden Fall zum Programm. Und da wir uns nicht mit hunderten anderen Touris auf einem Boot um den besten Fotospot streiten wollten, lösten wir Hartmuts Geburtstagsgeschenk ein und haben uns auf eine 3-stündige Kayaktour begeben, die uns durch coole Schilfwege und über den offenen Fjord zum 162-meter hohen Bowen Fall brachte. So konnten wir den „klassischen“ Milford Sound Blick genießen während wir uns ganz in Ruhe in unseren Kayaks treiben ließen, ohne Touritrubel. Auf dem Rückweg zogen sogar noch zwei Robben ihre Bahnen vor den Kayaks. Ein sehr cooles Erlebnis!
Kayaktour am Milford Sound Eine Robbe schwamm während Kayaktour am Milford Sound vorbei Blick auf Mitre Peak am Milford Sound
Da diese Tour um 8 Uhr morgens startete, waren wir früüüüh aufgestanden. Denn selbst von unserem Campingplatz aus, brauchten wir im Dunkeln noch über eine Stunde für die verbliebenen 43 km auf der gewundenen Straße. Und so waren wir nun zum zweiten Mal froh, ein Bett dabei zu haben und konnten auf dem Rückweg kurz vor Te Anau einen Powernap einlegen bevor wir die restliche Strecke bis Invercargill zurücklegten, wo wir in einem Holiday Park, 10 Minuten vom Flughafen entfernt, in Ruhe Haushaltsaufgaben erledigen konnten. Auch im Urlaub muss man schließlich ab und zu mal Wäsche waschen und das Bad putzen ;-)
Am nächsten Tag begann die kleine Reise nach Stewart Island mit einem Aufenthalt am winzigen Flughafen in Invercargill (Wer Weeze kennt: Invercargill ist ca. halb so groß). Sicherheitskontrolle? Gibt es nicht. Ausweise? Buchungsbestätigung? Brauchten wir nicht. Gates? Genau eins. Und so überrascht es auch nicht, dass uns eine winzige 10-Sitzer Maschine (inkl. Pilot) auf einen 20-minütigen Flug über die Foveaux Strait auf Neuseelands drittgrößte Insel brachte. Einen Flughafen gibt es dort nicht, nur eine in die Landschaft gesetzte Landebahn von der aus man mit einem Shuttlebus in die Stadt gefahren wird. Trotz ordentlichem Wind war der Flug erstaunlich entspannt. Wir konnten dem Piloten über die Schulter gucken und abgesehen von ein, zwei Hüpfern war der Flug fast ruhiger als der in der dicken Boeing 777 nach Singapur.
Anflug auf Steward Island
Auf Stewart Island angekommen begannen unsere Abenteuer mit einem ca. 2-stündigen Spaziergang rund um die Stadt Oban, der durch dichten Regenwald und entlang der Küste führt. Ein absolutes Highlight: Drei Kakas* in den Bäumen. Die Kombination aus drei DOC Wanderwegen war sehr schön und bot tolle Ausblicke auf das Paterson Inlet.
Wie für die meisten Reisende, die es nach Stewart Island verschlägt, war aber auch unser Hauptgrund für den Abstecher, dass wir Kiwis in freier Wildbahn sehen wollten. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit, die flugunfähigen Vögel zu sehen, auf Stewart Island im Vergleich zum Rest Neuseelands ziemlich groß, aber auch hier muss man sie suchen oder ganz großes Glück haben. Da wir uns nicht auf unser Glück verlassen wollten, haben wir uns einer Kiwi Spotting Tour angeschlossen, bei der ein geübter Guide mit Nachtsichtgerät und roter Taschenlampe ausgerüstet, auf die Tiere aufmerksam macht. Auf dieser Tour im anhaltenden Regen auf sumpfiger Wiese (wohl ideale Bedingungen für Kiwis) konnten wir diverse Southern Brown Kiwis sehen und was uns am meisten amüsiert hat, ist ihr Gang: Eine Mischung aus Watscheln und Storchengang. Und sie sind schnell. Viel schneller als man ihnen zutrauen würde. Auch wenn wir auf dieser Tour ziemlich durchgeweicht wurden und die Schuhe über nach auf der Heizung lagen, war es ein erfolgreicher und gelungener Abschluss des Tages.
Golden Bay mit Blick aufs Paterson Inlet Blick aufs Paterson Inlet Kaka im Baum Kiwi
Den zweiten Tag auf Stewart Island verbrachten wir auf einer kleinen Insel im Paterson Inlet: Ulva Island. Die komplette Insel ist als Schutzgebiet ausgewiesen und wie in vielen anderen Regionen auch, wird drastische pest control (Fallen und Gift gegen Ratten, Marder, etc.) betrieben. Durch die Abgeschiedenheit gelingt es, hier eine fast 100% raubtierfreie Zone aufrechtzuerhalten, sodass sich diverse Vögel hier vermehren können, die es sonst sehr schwer haben. Somit haben wir uns auf eine Menge Birdwatching gefreut.
Nach einer ca. 10-minütigen Fahrt mit dem Wassertaxi ließ das erste großes Highlight auch nur kurz auf sich warten: Nach wenigen Minuten auf einem der Wanderwege lief uns ein großes Kiwi-Weibchen (die Weibchen des Southern Brown Kiwi werden bis zu 50 cm groß) direkt vor der Nase über den Weg. Leider waren wir zu perplex und langsam für Fotos, aber mit einem Kiwi am helllichten Tag rechnet ja auch keiner.
Insgesamt verbrachten wir gute vier Stunden auf der Insel und hätten ruhig noch etwas länger bleiben können, was lustig ist, da die empfohlenen Aufenthaltsdauer 2-4 Stunden beträgt. Es zeigt sich mal wieder: Wir scheinen uns wirklich viel Zeit zu lassen. :-D Während der Wanderungen konnten wir Fantails, Tuis, Kakas, Bellbirds und viele andere endemische Arten sehen. Besonders spaßig: der Stewart Island Robin, der schlau und neugierig ist und den Wanderern hinterherläuft, weil er die vom Laufen aufgeschreckten Insekten fängt. Die haben uns gut unterhalten.
Zurück von der Wanderung auf Ulva Island hatten wir noch ein paar Stunden bis zum Rückflug. Da eine Schulklasse das schöne große Schachspiel am Strand besetzt hatte, gingen wir zunächst in die Bar, um uns von der Wanderung zu erholen. Später regnete es dann leider, sodass der Baraufenthalt verlängert werden musste und das Schachspiel ausfiel. Aber als wunderbares Fotomotiv macht es trotzdem was her. :-)
Das letzte große Abenteuer auf Stewart Island bestand für uns dann darin, dass wir auf dem Rückflug anscheinend einen Pilot im Training hatten, da der Copilot die ganze Zeit Tipps und Hinweise gab. Sehr vertrauenswürdig :-D Aber wir sind gut angekommen und konnten unsere Reise mit einer Fahrt nach Norden Richtung Queenstown fortsetzen.
Boulder Beach auf Ulva Island Strand auf Ulva Island Variable Oystercatcher Steward Island Robin Schachbrett in Oban
Die Abenteuer-Hauptstadt des Landes erreichten wir am nächsten Tag, wo wir uns selbst zwar nicht ins Abenteuer stürzen wollten, aber die Atmosphäre der Stadt genießen konnten. Die Lage direkt am Lake Wakatipu sorgte für großartiges Panorama bei fantastischem Wetter und trotz einer Menge Touris (so viele hatten wir lange nicht auf einem Haufen) hat die Stadt einen gemütlichen Charme. Die Locals lagen bei 18°C Lufttemperatur nochmal in Badekleidung am Strand, ein paar verrückte Kinder sprangen im Wasser herum, in den Public Gardens fand eine Hochzeit statt, … Alles ganz entspannt. Die Aussicht von Bob’s Peak, dem Hausberg der Stadt, war großartig und die kleine Wanderung, die wir oben machten, eröffnete tolle Ausblicke auf den See, die Stadt und die Berge der Crown Range und der Remarkables.
Blick von Bob's Peak auf Lake Wakatipu Wanderung auf Bob's Peak mit Blick auf die Crown Range Queenstown Waterfront Queenstown Waterfront Queenstown Waterfront Antiker Dampfer auf Lake Wakatipu
Ein Tag genügt in der Stadt dann aber auch, wenn man nicht gerade gebuchte Touren machen möchte, sodass wir uns am nächsten Morgen in Richtung Haast Pass und West Coast aufmachten. Diese Strecke wollte ich unbedingt fahren, da ich sie von vor 20 Jahren in toller Erinnerung hatte und vor 12 Jahren mit meinem Bruder wegen eines Erdrutsches nicht machen konnte.
In Wanaka, der letzten größeren Stadt vor dem Pass, konnten wir bei strahlendem Sonnenschein den Blick über den gleichnamigen See auf die Gletscher der Alpen werfen bevor sich die Straße in die Berge schlängelt. Unterwegs machten wir die von mir freudig erwartete Mini-Wanderung zu den Blue Pools: kleinen, blau schimmernden natürlichen Wasserbecken, gespeist von einem eiskalten Fluss, in dem manche Verrückte sogar schwammen. Mir genügte es vollkommen, mit den Füßen reinzugehen und auch das nur sehr, sehr kurz (normalerweise liebe ich es, mit den Füßen in kalte Bäche zu gehen, aber das war hart an der Grenze).
Auf dem weiteren Weg über den Pass, haben wir noch an den Thundercreek Falls und Fantail Falls gehalten, zwei sehr hübschen Wasserfällen im Regenwald.
Thundercreek Falls Blue Pools
Sehr beeindruckend war, wie sich die Landschaft während der Fahrt drastisch verändert hat: Während Queenstown und Wanaka im Schatten der Berge wenig Regen von den aus Westen kommenden Wolken abkriegen, bleiben diese auf der anderen Seite der Berge hängen, regnen ab und sorgen für extrem grünen und dichten Regenwald, auf einem relativ schmalen Streifen zwischen Meer und Bergen. Dies sorgt dafür, dass man mit einem Blick Meer, Regenwald, Berge und Gletscher wahrnimmt – großartig.
Neben dem tollen Regenwald gab es aber ein weiteres Highlight: Die Keas. Diese Bergpapageien haben den Ruf, intelligent, neugierig und rücksichtslos zu sein, wenn es um das Untersuchen von Dingen aller Art geht. Und wie eine ausgesprochen amüsante Kea-Familie an unserem DOC-Platz unter Beweis stellte, haben sie diesen Ruf vollkommen zu Recht. Am Abend hatten wir uns noch darüber lustig gemacht, wie einige Vögel u.a. ein Handtuch und die Autodichtungen eines Nachbarn „untersuchten“, als sie uns aber am nächsten Morgen weckten, weil sie auf unserem mit Solarzellen ausgestatteten Dach herum hüpften und buchstäblich zum Fenster reinschauten, war die Sorge um die Kabel und Leitungen doch recht groß. Nachdem wir sie vom Dach runter hatten, hatten wir aber eine Menge Spaß mit den Tieren und hätten ihnen den ganzen Tag zuschauen können.
Kea Manchmal glaubte man wirklich, die Vögel posieren nur für uns. Das Handtuch wurde ziemlich zerrupft Guten Morgen! Der Kea schaute morgens einfach zum Dachfenster rein.
Wir konnten uns dann aber doch losreißen und nach einer kurzen Wanderung um den als Spiegelsee bekannten Lake Matheson (der wegen Wind leider gar nicht spiegelte) und der Beobachtung einiger Pukekos auf der Wiese am Parkplatz in einem total urigen Campingplatz in Franz Joseph (Ja, so heißt der Ort) mitten im Regenwald einchecken, ein bisschen Haushalt erledigen und entspannen bevor am Tag drauf eine längere Fahrtstrecke auf uns wartete.
Lake Matheson mit leider wenig Spiegelung Mount Cook und Mount Tasman versteckten sich leider in den Wolken Pukeko Traumhafter Stellplatz mitten im Regenwald
Und so war schon wieder eine gute Woche schneller mit tollen Erlebnissen und Abendteuern gefüllt, als uns lieb war und die letzte Woche auf der Südinsel brach an.
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Für die Nerds :-)
*In Neuseeland gibt es drei endemische Papageienarten: Kea (Bergpapagei), Kaka (Waldpapagei) und Kakapo (Nachtpapagei). Wie auch viele andere neuseeländische Vögel, sie alle drei Arten stark bedroht, unter anderem weil von den Europäern eingeschleppte Tiere wie Ratten und Marder, Jungtiere und Eier fressen. Der Kakapo ist dabei besonders stark bedroht, weil er im Biounterricht nicht aufgepasst hat und die Fortpflanzung nicht sehr erfolgreich hinbekommt. Daher ist er nur noch auf wenigen kleinen Inseln zu finden. Keas und Kakas sind ebenfalls bedroht, jedoch nicht ganz so kritisch wie der Kakapo.



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