Zwei Wochen auf der Nordinsel - Neuseeland Teil 4
- Rebecca

- 28. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
Wie das auf Reisen eigentlich immer so ist, vergeht die Zeit hier wie im Flug. Und während ich auf dem Campingplatz am Uluru in Central Australia sitze, lasse ich die letzten zwei Wochen in Neuseeland Revue passieren, die geprägt waren von einer tollen Stadt, schönen Stränden, viel Regen und einem Zyklon:
Die Fähre über die Cook Strait zur Nordinsel landet in der Hauptstadt Wellington. Natürlich gehört es dazu, das politische Zentrum des Landes zu erkunden und so haben dort zwei Tage verbracht. Das Nationalmuseum Te Papa hat uns interessante Einblicke in Natur, Geologie und Kultur des Landes gegeben und ein Besuch beim Weta Workshop, der Firma, die u. a. Requisiten, Masken und Kostüme für die Herr der Ringe Filme bereit gestellt hat, erlaubte spannende Blicke hinter die Kulisse solcher Filmproduktionen. Außerdem haben wir uns mit einer ehemaligen Kollegin getroffen, die uns grandioses Frühstück serviert und ihre Lieblingsaussichtspunkte gezeigt hat.
Maoriversammlungshaus im Nationalmuseum Wellington Wellington Troll aus "Der Hobbit" beim Weta Workshop
Nach zwei Tagen in der Stadt brachen wir nach Norden auf, vorbei an vielen landwirtschaftlich genutzen Feldern, einer Übernachtung in einem hübschen Tal bis nach Napier an der Hawkes Bay. Die Stadt ist bekannt für ihre außergewöhnliche Architektur und hat uns beiden sehr gut gefallen. Nach einem verheerenden Erdbeben im Jahr 1931 musste die Stadt nahezu komplett neu aufgebaut werden, was in einem tollen Mix verschiedener Baustile, insbesondere Art Deco, geführt hat. Ausgedehnte Spaziergänge unter den Palmen an der Marine Parade gaben dem ganzen noch ein bisschen Südseeflair.
Hawkes Bay ist außerdem als Weinregion bekannt, die man wunderbar auf dem Fahrrad erkunden kann, weil sie mehr oder weniger komplett flach ist. Daher gibt es hier auch keine Weinberge, sondern ausgedehnte Weinfelder. Wir entschieden uns, an Karfreitag eine 40km-Radtour machen und konnten bei einem traumhaft angelegten Weingut diverse Weine probieren, die Sonne genießen und den Blick über Palmen, Reben und das Meer schweifen lassen.
hübsche Architektur in Napier hübsche Architektur in Napier Strand in Napier (leider kann man nicht schwimmen) Weinprobe an der Hawkes Bay Fahrradtour unter Palmen
Von Napier aus fuhren wir nach Gisborne und stellten fest, dass sich die Landschaft und die Grundstimmung im Land änderten: Zum ersten Mal sahen wir vermüllte Rastplätze und Schrottautos am Straßenrand sowie sehr einfache Behausungen. Leider kam dies abseits der Touristenrouten von nun an häufiger vor. Die Region Gisborne selbst ist aber für ihre tollen Surfstrände bekannt, so dass sich Hartmut am Ostersonntag das erste Mal auf dieser Reise aufs Brett stellen konnte, während ich entspannt am Camper saß.
Das sind in Gisborne zwei Kugeln Suferboy ;-) Gisborne
Ansonsten hat die Stadt nicht viel zu bieten, sodass wir nach einer Nacht am Strand den Pacific Coast Highway zum East Cape fuhren. Das sollte noch abenteuerlich werden:
Das East Cape liegt ziemlich abgelegen und wir wussten, dass das bekannte East Cape Lighthouse geschlossen ist. Die eigentlich asphaltierte ca. 15 km lange Stichstraße dorthin führt jedoch entlang großartiger Küste mit tollen Ausblicken, sodass sich die Fahrt laut diverser Onlineberichte trotzdem lohnt. Außerdem gibt es auf halber Strecke einen Campingplatz. Als wir die Stichstraße fuhren, stellten wir fest, dass diese anscheinend vor einiger Zeit durch Erdrutsche stark (!) beschädigt worden war, zu einem Großteil aus Single-Track-Schotterpiste bestand und darüber hinaus den ortsansässigen Pferden und Kühen als Gehweg diente. Somit war die Fahrt allein schon ein Abenteuer. Dann stellte sich der Campingplatz als äußerst dubios heraus, sodass wir wieder zum nächsten Ort zurück fuhren, um dort auf einen kommerziellen Platz zu fahren, nur um dort festzustellen, dass dieser im selben Unwetter, dass diverse Straßen zerstört hatte, komplett abgesoffen war. Nun standen wir da: Keine Unterkunft, keine nachts befahrbare Straße. Also mussten wir das erste und einzige Mal auf unserer Reise „illegal“ am Straßenrand übernachten. In diesem Sinne: Frohe Ostern ;D
Die Kühe haben sich nur sehr langsam von der Straße bequemt Tolle Ausblicke aufs East Cape Ein Unwetter hat aus einer "normalen" Straße diese Piste gemacht Die möchte man nicht bei Nacht fahren...
Alles ging gut, niemand kam, um uns fortzuschicken und Strafe zahlen mussten wir auch nicht, sodass wir am nächsten Morgen wieder entspannt von der East Cape Region Richtung Bay Plenty fahren konnten. Diese Gegend an der Nordküste der Nordinsel ist für ihre tollen Strände, Buchten und Ausblicke aufs Meer bekannt und auch wir haben uns einen Nachmittag am Strand gegönnt bevor wir wieder ein Stückchen ins Inland nach Rotorua fahren wollten.
Tolle Ausblicke in der Bay of Blenty Bay of Plenty
Auf dieser Strecke erfuhren wir dann, dass zusätzlich zum pazifischen Tiefdruckgebiet, das uns sowieso schon ordentlichen Regen bringen sollte, ein Zyklon im Anflug war, der ein paar Tage später voraussichtlich die Nordinsel treffen und erfahrungsgemäß für Stromausfälle, Erdrutsche und überflutete Straße sorgen würde. Also hieß es (um)planen.
Wir fuhren zunächst wie geplant nach Rotorua, einer vulkanischen sehr aktiven Region, über der fast flächendeckend ein beißender Schwefelgeruch liegt, den man für die beeindruckende Landschaft aber gern in Kauf nimmt und der zur Atnosphäre irgendwie dazu gehört :) Wir sahen uns das Waimangu Volcanic Valley an und konnten in den sehr schönen Waikite Valley Hot Springs die Thermalquellen genießen. Der krönende Abschluss am nächsten Morgen: Ein Besuch bei den mud pools, kochendem Schlamm, dem ich stundenlang zusehen könnte. Blub!
Im Waimangu Valley Im Waimangu Valley Vulkankrater im Waimangu Valley Im Waimangu Valley Schwefelkristalle im Waimangu Valley Entspannen mit Aussicht in den Waikete Springs Thermalquellen Mud Pools Mud Pools
Leider regnete es beide Tage ganz ordentlich, was auch am nächsten Tag auf dem Weg auf die Coromandel Halbinsel kaum aufhörte.
Die Halbinsel wollte ich sehr gerne sehen und laut Zyklonvorhersage sollte es so gerade noch passen, dort zwei Tage zu verbringen. Das absolute Highlight der beiden Tage: Cathedral Cove Beach, wo wir trotz strömendem Regen schwimmen gehen und in den Wellen rumtollen konnten bevor eine Dusche unterm Wasserfall das Salzwassser abspülte. Auf Platz zwei: Ein Bad im Becken der Waiau Falls.
Cathedral Cove Duschen unterm Wasserfall Blick von unserem Campingplatz Immer lachen, auch wenn's kalt ist!
Da der Weg des Zyklons inzwischen sicherer vorherzusagen war, ließen wir uns in einer Touriinfo beraten, welche Regionen denn für uns in Frage kamen, um den Wirbelsturm auszusitzen. Da wir 36 nachdem dieser durchgezogen sein sollte, am Flughafen sein musste, konnten wir uns nicht allzu weit entfernen und bekamen den Tipp, uns in der Region um die Stadt Hamilton im Waikato District aufzuhalten. Leider hat die Gegend keine touristischen Highlights zu bieten, aber dort fanden wir einen Campingplatz, der gut geschützte Plätze bot.
Auf unseren Weg dorthin statteten wir den Hamilton Gardens einen Besuch ab, der sich durchaus gelohnt hat: eine Sammlung wirklich schön angelegter Gärten, vom Cawdor Garden über Maori Garden und Chinese Garden bis hin zum Surrealist Garden sorgte für ein paar abwechslungsreiche Stunden.
Im hübschen kleinen Ort Cambridge, wo unser Campingplatz lag, schlossen die Läden wegen des Unwetters früher als sonst, aber immerhin konnten wir noch ein wenig durch die Geschäfte bummeln.
Surrealist Garden Egyptian Garden Italian Renaissance Garden
Und dann hieß es: abwarten und Tee trinken. Im wahrsten Sinne des Worten, denn abgesehen von im Camper rumhängen und Tee trinken, während es draußen schüttete, war nicht viel möglich.
Insgesamt hatten wir jedoch Glück und der Wirbelsturm hatte sich schon zu einem „normalen“, wenn auch schweren pazifischen Tief abgeschwächt und zog außerdem etwas weiter im Osten über die Insel, sodass wir vom Wind, der für den Van blöd hätte werden können, kaum etwas mitbekamen und „nur“ den Starkregen aussitzen mussten. Und darin waren wir ja schon geübt (siehe Beitrag Neuseeland Teil 3). :-D
Als Abschluss unserer Zeit in Neuseeland war dies natürlich nicht ideal, aber da machste nix. Und so fuhren wir an unserem letzten Tag mit einem kleinen Abstecher zur einzigen Teeplantage des Landes nach Auckland, wo wir am nächsten Tag den Camper abgaben und uns aufmachten zu neuen Abenteuern in Australien.

Unser Fazit zu Neuseeland: Es ist ein tolles Land mit unglaublich abwechslingsreicher Landschaft und tollen Möglichkeiten für Tierbebobachtungen. Die Südinsel ist insbesondere landschaftlich schöner als die Nordinsel und wahrscheinlich nicht zuletzt wegen ihrer touristischen Bedeutung sauberer und insgesamt deutlich besser gepflegt.
Während Christchurch, Wellington und die Region ums East Cape etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, haben uns die Städte Queenstown und Napier sehr positiv überrascht.
Etwas schade war, dass das Wetter die Zeit im Abel Tasman etwas getrübt und den Besuch von Northland (der Region nördlich von Auckland) unmöglich gemacht hat.
Aber man braucht ja auch immer einen Grund wiederzukommen :)



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